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Sensationeller Dachbodenfund

In den vergangenen Wochen erreichte den Heimatverein auf dem Postweg ein etwas dickerer A5-Brief aus Großalmerode im nordhessischen Werra-Meißner-Kreis.

 

Voller Spannung entnahmen die Vorstandsmitglieder während ihrer darauffolgenden Sitzung dem Briefumschlag ein ca. 17 x 10 cm großes Büchlein.

 

 

 

 

 

Neugierig betrachteten wir es: Sehr alt anmutend, ein mit dunkelblauem Samt bezogener Einband, der mit goldenen Ornamenten und dem goldenen Schriftzug „ALBUM“ versehen ist. Schlägt man das Büchlein auf, wird schnell klar: Es handelt sich um ein Poesiealbum. Die 1. Eintragung beginnt gleich nach dem Buchdeckel, die üblicherweise vorhandene 1. weiße Seite fehlt. Bei genauerer Betrachtung lässt sich erkennen, dass nicht nur eine Seite herausgetrennt worden war. Wem das Poesiealbum gehörte, ist leider nicht nachzuvollziehen. Diesbezügliche Infos wurden nicht gegeben.

 

Auf jeder Seite steht in akkurater, teilweise altdeutscher Handschrift eine persönliche Widmung, der überwiegende Teil von Schulfreunden und -freundinnen, beispielsweise von Max Spindler, Robert Pomp, Max Vogel, Minna Stecher, Marie Beyer, Alma Uhlig, Marie Seifert, Otto Hofmann, Carl Lämmel, Anna Hösel, Emil Schönherr, aber auch von einem Lehrer H. Leyn, von der Mutter und den Schwestern. Wir erfahren auch, dass die Einträge aus den Jahren 1881,1882 und 1905 stammen.

 

Für den Heimatverein sehr bedeutend ist, dass alle im Album enthaltenen Verse und poetische Weisheiten in Reichenbrand eingeschrieben wurden, da auf jeder Seite mit dem Datum auch „Reichenbrand“ eingefügt wurde. Es stellt sich hier natürlich die Frage, ob es sich nicht auch um einen anderen Ort gleichen Namens handeln könnte. Auf der 19. Seite dann  -wir trauten unseren Augen nicht-  hat ein Theodor Nestler am 4. September 1881 mit dem Spruch „Gott sei dein Freund, Religion deine Stütze Und Tugend dein Führer“ seine persönliche Botschaft hinterlassen. Theo Nestler? Der berühmte Sohn unseres Stadtteils Reichenbrand, der hier geboren wurde und als Komponist und Chorleiter wirkte?

 

Aufgeregt recherchierten wir, Theo Nestler wurde am 14. April 1868 in Reichenbrand geboren, also wäre er 13 Jahre alt gewesen, als er in das Poesiealbum eines Schulfreundes dieses damals oft als Lebensweisheit verwendete persische Sprichwort eingeschrieben haben könnte. Zeitlich würde also alles passen!

 

Letzte kleine Zweifel bleiben dennoch. Genau das könnte der Ansatz für eine weitere Erforschung der Kindheit und Jugendjahre von Nestler sein. Wenn die Eintragung tatsächlich von „unserem“ Theo Nestler ist, wäre das Poesiealbum ein einzigartiges Zeugnis unserer Reichenbrander Vergangenheit.

 

Von Theo Nestler wurden insgesamt 102 Heimat- und Liebeslieder geschrieben und komponiert, die weit über seine Heimatregion bekannt und zum Teil in das Liederbuch des Deutschen Sängerbundes aufgenommen wurden. Bis zu seinem Lebensende am 3. Juli 1932 leitete er verschiedene Chöre, u. a. den Männergesangsverein Reichenbrand.

 

Heute erinnern die Nestlerstraße und sein vom Heimatverein Reichenbrand gepflegtes Grabmal auf dem Reichenbrander Friedhof an den bedeutenden Heimatdichter und Komponisten.

 

(siehe auch Beiträge zur Heimatgeschichte, Heft 2 und Heft 6)




Kontakt

Zwickauer Straße 480

09117 Chemnitz

 

E-Mail: info(at)heimatverein-reichenbrand.de

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